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Interview mit Eike Brinkhaus, Westfälische Nachrichten

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Legen den Finger in die Wunde

Sie zählen inzwischen fast zu den Exoten. Junge Menschen, die sich politisch engagieren. Eike Brinkhaus ist einer von ihnen. 24 Jahre, Student der Betriebswirtschaft in Münster – und Grevener. Schon seit einiger Zeit ist er JU-Vorsitzender des Ortsverbands Greven, vor zwei Wochen wurde er zum JU-Vorsitzenden auf Kreisebene gewählt. Über die abnehmende Politikbereitschaft junger Menschen, veraltete Web-Seiten und Perspektiven sprach WN-Redaktionsleiter Ulrich Reske mit dem Jung-Politiker Eike Brinkhaus.

Jungen Menschen wird Politikferne nachgesagt. Was motiviert Sie gegen den Trend, sich als JU-Vorsitzender in Greven und jetzt auch auf Kreisebene zu engagieren?

Eike Brinkhaus: Das stimmt wohl. Ich hab’ mir gesagt, immer zu motzen, ist auch nicht richtig und handle deshalb jetzt selber.

Was hat Sie überhaupt zur Politik und zur kommunalen Politik geführt?

Brinkhaus: Mein Großvater ist seit über 60 Jahren in der CDU. Von daher hab’ ich ein bisschen Stallgeruch mitgekriegt. Ausschlaggebend war für mich der letzte Bundestagswahlkampf mit Dieter Jasper.

Wenn eine junge Organisation auf Ihrer Web-Seite News postet, erwartet man als Neuigkeiten nicht unbedingt den drei Jahre zurückliegenden 80. Geburtstag von Helmut Kohl. Ist das nicht ein bisschen hinterwäldlerisch?

Brinkhaus: Da haben Sie recht, zumal wir eigentlich den Anspruch haben, die Internetgeschichte nicht allein den Piraten zu überlassen. Aber auf der anderen Seite arbeiten auf lokaler Ebene Ehrenamtliche. Unser Webmaster studiert in Dortmund und ist nur noch selten vor Ort. Da muss man dran arbeiten. In solchen Fällen kann man sicher besser auf die aktuelle Landesseite verweisen, ehe man solch alte Inhalte präsentiert.

Für Kommunalpolitik interessieren sich wenige, für Kreispolitik eher noch weniger. Was macht eine Kreis-JU?

Brinkhaus: Vor allem sollten wir die jungen Menschen für Politik wieder sensibilisieren. Die Wahlbeteiligung der unter 24-Jährigen lag zuletzt bei 24 Prozent.

Aber was macht eine Kreis-JU?

Brinkhaus: Ich kümmere mich darum, dass die Ortsverbände laufen. Und das ist hier im Kreis nicht überall der Fall.

Gibt es Orte ohne JU-Ortsverbände?

Brinkhaus: Vier sind derzeit unbesetzt. Da versuchen wir dann Veranstaltungen zu platzieren.

Ist die JU denn in Greven aktiv?

Brinkhaus: Wir haben auf dem Papier knapp 100 Mitglieder. Wir treffen uns in der Regel ein Mal im Monat zum Stammtisch.

Aber in der Öffentlichkeit sind Sie kaum präsent?

Brinkhaus: Ja gut, der Webmaster ist in Dortmund, der Geschäftsführer in Hamburg. Ich selbst bin inzwischen stellvertretender Vorsitzender der Ortsunion.
Jugendorganisationen sind eigentlich die Rebellen gegen ihre Partei-Mütter.

Wogegen rebellieren Sie?

Brinkhaus: Wenn es sein muss legen wir den Finger in die Wunde. Die CDU in Greven wollte dem Haushalt wegen der zu hohen Neuverschuldung nicht zustimmen, hat es dann aber doch getan. Das war meiner Meinung nach nicht richtig.

Wie ist es überhaupt mit dem politischen Nachwuchs bestellt?

Brinkhaus: In jedem Stadtrat sollte mindestens ein Mitglied unter 25 Jahren sitzen. Dass nur so wenige junge Leute aktiv sind, hat natürlich auch mit der persönlichen Situation zu tun. Ich studiere beispielsweise und weiß nicht, was in zwei Jahren ist.

Über Fraktionsgrenzen hinweg gibt es gemeinsame Interessen junger Menschen. Etwa beim demografischen Wandel. Wie klappt es mit der Zusammenarbeit?

Brinkhaus: Es gibt den Ring demokratischer Jugend. Da setzt man sich schon mal zusammen, tauscht sich aus. Leider schlafen aber auch hier die Aktivitäten ein.

Wie kann man die Akzeptanz von Politik gerade auf kommunaler Ebene wieder erhöhen?

Brinkhaus: Eine gute inhaltliche Arbeit, die man nach außen transportiert, ist die Voraussetzung. Fraktionsinterner Streit (wie jetzt bei der FDP, Anm. d. Red.) bewirkt das Gegenteil.

Sie sind JU-Vorsitzender im Orts- und im Kreisverband. Ist das der personellen Not geschuldet?

Brinkhaus: Im Kreisverband haben wir 1100 Mitglieder und sind damit unter den Top 10 im Landesverband, aber es gibt natürlich nur ganz wenig Aktive. Ich bin angesprochen worden und habe zugesagt, weil ich auch vor schon viel mit den Ortsverbänden im südlichen Kreis zusammen gearbeitet habe.

Sie sind 24. Bis 35 Jahre ist man in der JU. Haben Sie Interesse daran, die Karriereleiter weiter hoch zu klettern?

Brinkhaus: Erstmal bin ich jetzt zwei Jahre im Kreisvorstand. Was danach kommt, vermag ich noch nicht zu sagen. Aber zunächst will ich mein Studium abschließen.

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