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Volker Kauder in Ladbergen

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Vorsitzender der Unionsfraktion trifft die Basis

Am Ende bleibt nur eine Frage unbeantwortet

Ladbergen -

Der Saal ist voll und Volker Kauder wird freundlich empfangen. Zwei Stunden lang spricht und diskutiert der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion über Themen wie Terrorgefahr, Flüchtlingspolitik und Europa.

Der Saal im Gasthaus „an de Miälkwellen“ ist voll besetzt. Beifall brandet auf. Immer wieder, besonders lange am Ende der Veranstaltung. Da sind zwei Stunden vergangen, in denen Volker Kauder sein Publikum mit auf einen Exkurs durch die drängendsten politischen Themen genommen hat.

Flüchtlingspolitik, Terrorgefahr, Europa – der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion vermittelt den Zuhörern das Gefühl, einen Blick hinter die Berliner Kulissen werfen zu dürfen. Ernste Themen, denn die „innere und äußere Sicherheit bewegt die Menschen wie kein anderes Thema“.

Die geringe Aufklärungsquote bei Einbruchdelikten? Mehr Polizisten in der Fläche ist nicht sein Ding. Der 67-Jährige verweist auf seinen Ansatz, Zuschüsse für Einbruchsicherung zu geben und das in den Landesbauordnungen zu verankern. Leider habe das nicht geklappt, bedauert er, dass dieser einfache Weg nicht beschritten wurde.

„Ja, der Terror ist bei uns angekommen.“ Diesen Satz lässt der Christdemokrat einen Moment wirken. Böse Menschen gebe es aber nicht nur unter Flüchtlingen, sondern auch unter Deutschen. Doch wie denen beikommen? Volker Kauder plädiert für eine enge Zusammenarbeit mit den USA. „Ohne die Amis sind wir in vielen Bereichen taub und blind“, stellt er fest. Nicht, weil die deutschen Nachrichtendienste nichts taugten. „Sie dürfen keine Deutschen ausspionieren“, so stehe es im Grundgesetz. Sorge bereitet ihm einen Anti-Amerikanismus im Land zu spüren. „Wir brauchen eine Großmacht“, ist er sicher. „Putin und China helfen uns nicht“. Da bleiben nur die Amis.

Der 67-Jährige vermisst die Solidarität in Europa, fordert Dankbarkeit für über 70 Jahre Frieden auf dem Kontinent ein und plädiert für eine gemeinsames Herangehen an die Herausforderungen. Dazu gehören für ihn das Thema Flüchtlinge und die Feststellung, dass es Quatsch ist zu sagen, Angela Merkel hätte die alle eingeladen. Er verweist auf die Beschlusslage in der EU – „Über die Nordsee oder Ostsee wären wohl keine Flüchtlinge zu uns gekommen“ – und bricht für die vielen Ehrenamtlichen eine Lanze: „Ohne die hätten wir´s nicht so gut hinbekommen.“

Doch zu viel Rückblick hat der erfahrene Politiker nicht im Sinn. „Glaubt einer, dass Sigmar Gabriel die EU in den nächsten vier Jahren voranbringt? Oder Rot-Rot-Grün das Land?“ Allgemeines Kopfschütteln an den Tischen. „Wir müssen darüber reden, wie die CDU – und hoffentlich auch bald wieder die CSU – das Land voranbringen will.“ Im Wahlkampf müsse den Menschen verdeutlicht werden, „was wir vorhaben“. Denn, das ist seine Überzeugung, „wo die Union regiert, geht´s den Menschen besser“.

Die Fragerunde beginnt. Da geht´s darum, wann die CSU die CDU wieder verstehe, warum gefasste Straftäter so schnell wieder auf freiem Fuß sind, um Investitionen in die Bundeswehr und die Themen Direktversicherung, Zuwanderungsgesetz, Überhangmandate und sichere Renten.

Volker Kauder beantwortet die Fragen, überlässt beim Thema Direktversicherung Anja Karliczek das Feld – „die kann das“ – und stellt fest, dass es noch andere Probleme gebe als eine Rentenquote von 45 oder 47 Prozent des vorherigen Lohnes. Wie Bundestagsabgeordnete abgesichert sind, will in diesem Moment keiner wissen.

Zum Schluss die spannende Frage zur möglich Kanzlerkandidatur von Angela Merkel, deren Antwort der Fraktionschef nicht kennt. „Ich würde es mir wünschen, weiß es aber nicht.“ Immerhin: „Angela Merkel hat mehr Kraft als mancher von diesen aufgeblasenen Männern.“ Wer damit gemeint ist, wissen die Anwesenden: Putin und Erdogan. Dann ist offiziell Schluss, zwei Stunden sind vorbei.

Quelle: Westfälische Nachrichten vom 28.10.2016 (Michael Bahr)

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